Freitag, 16. März 2012
Wegen Verstosses gegen die strengen olympischen Satzungen muss das Zürcher Steueramt 130 Plakate entfernen, die für das schnelle Ausfüllen der Steuererklärung werben, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet.
Frei nach dem olympischen Geist hat ein echter Amateur unter den Angestellten des Stadtzürcher Steueramtes ein Plakat kreiert, das die 230'000 Steuerpflichtigen der Stadt dazu aufruft, die Steuererklärung bis 31. März einzureichen. Er hat eine Säule auf eine Tartanbahn gepflanzt und darauf ein purpurnes Kissen mit einer Goldmedaille gelegt. Dazu der Slogan: "Bis 31. März abgeben und die Olympiade geniessen."
130 Plakate hängen seit einer Woche in der Stadt. Weitere Kleinplakate hätten in den Trams platziert werden sollen, schrieb der "Tages-Anzeiger" gestern abend in der Online-Ausgabe.
Swiss Olympic in Bern hat nun interveniert und einen Abbruch der Kampagne verlangt. Die Juristen des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) in Lausanne sind der Ansicht, dass das Steueramt "clearly commercial purposes" verfolge – also kommerzielle Interessen. Mitgeliefert wurde wie in solchen Fälllen üblich die 15-seitige Broschüre "Werbung mit Olympia". Darin schreibt Missionschef Gian Gilli: "Olympische Spiele sind einzigartig" – "auch im Bereich des Markenschutzes". Insbesondere gilt dieser Markenschutz auch für "Verfremdungen der olympischen Ringe".
Im Steueramt scheint man Probleme geahnt zu haben und hat der Siegermedaille für schnelle Steuerzahler listig sieben statt fünf Ringe verpasst – vergebens.
Nicht toleriert wird auch der Vergleich des Ausfüllens einer Steuererklärung mit einer olympischen Disziplin. Und nicht akzeptiert wird der Slogan mit dem Zusatz "... die Olympiade geniessen ...". Auch wenn es sich – streng genommen – bei einer Olympiade um ein Zeitmass handelt – nämlich den Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Die Steuerzahler könnten ja auf die Idee kommen, bloss alle vier Jahre eine Steuererklärung einreichen zu müssen.
"Wir müssen einschreiten, wenn die olympischen Ringe und die Wortmarken Olympia und olympisch kommerziell genutzt werden", sagt Sprecher Christof Kaufmann von Swiss Olympic gegenüber dem "Tages-Anzeiger", "auch um die Interessen unserer Sponsoren zu schützen". Dazu gehören unter anderen UBS, Rivella und Swisscom.
Die geplanten Plakate im Tram werden nun durch das letztjährige Osterhasen-Sujet ersetzt und den Slogan "Bis 31. März abgeben und dann unbeschwert Eier suchen".
Die "Olympische"-Aktion dürfte sich für das Steueramt dank der erhöhten Medienaufmerksamkeit trotzdem gelohnt haben.

Aktion des Anstosses: Plakat des Stadtzürcher Steueramtes, das aus
der Sicht der IOK-Juristen den Markenschutz verletzt.