Dienstag, 8. Mai 2012
Mit Promotionsaufnahmen auf dem Jungfraujoch am Montag und der heutigen Pressekonferenz im Stade de Suisse ist der Countdown auf den Schwergewichts-WM-Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Tony Thompson am 7. Juli im Stade de Suisse in Bern eingeläutet worden. Drei Wochen nach Beginn des Vorverkaufs sind 60 Prozent der 30'000 Tickets, die zwischen 70 und 1090 Franken kosten, abgesetzt.
Mit der Schwergewichts-Weltmeisterschaft zwischen dem 36-jährigen WBA-, IBF-, WBO- und IBO-Weltmeister aus der Ukraine und dem 40-jährigen Herausforderer aus den USA findet erstmals in der Schweiz ein grosser Boxkampf unter freiem Himmel statt. Für Wladimir Klitschko, der den Übernamen "Dr. Steelhammer" trägt, ist es die zwölfte Titelverteidigung und bereits die sechste in Folge, die in einer Fussball-Arena stattfindet.
Der Schweizer Bundeshauptstadt kommt damit zum zweiten Mal innerhalb von gut zweieinhalb Jahren die Ehre zuteil, einen Schwergewichts-WM-Kampf auszutragen, nachdem im Dezember 2009 Witali Klitschko, Wladimirs älterer Bruder, seinen WBC-Titel in der PostFinance-Arena gegen Kevin Johnson verteidigt hatte. Die positiven Erlebnisse dieses Kampfes bewogen die beiden Brüder und deren Entourage dazu, in Bern noch einmal einen Event auszutragen. "Die Stimmung war hervorragend. Ich war so neidisch auf meinen Bruder, weil er kämpfen durfte und ich nicht", so Wladimir, der erstmals in der Schweiz antreten wird.
In jener Nacht wurde auch die Idee geboren, noch einmal in der Bundeshauptstadt einen grossen Box-Event auszutragen. Von einer "zweieinhalbjährigen Tour de Suisse" sprach Peter Wisler von der Projektagentur "inspiraare", bis der Deal mit allen Partnern unter Dach und Fach war. "Es wird ein einmaliges Erlebnis", so Wisler. Vor dem Haupt-Event, der um 23 Uhr beginnen, vom deutschen Privatsender RTL produziert und in 150 Länder übertragen wird, finden ab 21 Uhr internationale Vorkämpfe statt. Davor stimmen der Berner Mundartrocker "Gölä" sowie das deutsche Komikerduo "Oropax" und "Drums2streets" die Zuschauer auf die Kämpfe ein.
Im Gegensatz zur Veranstaltung vor zwei Jahren, als sich Witali Klitschkos Gegner Kevin Johnson als nicht WM-tauglich erwiesen hatte, verspricht das Duell zwischen Wladimir Klitschko und Tony Thompson mehr Spannung. "Die Show wird nicht so schnell zu Ende sein", so Wladimir Klitschko, der 57 seiner 60 Profikämpfe gewann und seit 2004 ungeschlagen ist. "Tony ist ein guter Gegner. Er kennt mich von allen Boxern am besten." 2003 waren die beiden erstmals als Sparring-Partner aufeinandergetroffen. 2008 kam es zum ersten WM-Duell der beiden, als Klitschko in seinem Wohnort Hamburg den siebenfachen Familienvater aus Washington D.C. in der elften Runde K.o. schlug. "Es war einer der härtesten Kämpfe meines Lebens", so Klitschko.
Thompson selbst fühlt sich trotz seiner 40 Jahre in der Form seines Lebens. "Ich will der älteste Schwergewichts-Weltmeister werden, der erstmals einen Titel gewinnt", so der 1,96 m grosse Rechtsausleger, der nach eigenen Aussagen vom ersten Aufeinandertreffen mit Klitschko seine Lektion gelernt hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen spukt Thompson ("The Tiger") keine (allzu) grossen Töne. Der Amerikaner will in Bern mit sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam machen - und nicht mit branchenüblichen Provokationen, Sprüchen oder sogar Handgreiflichkeiten. Dafür hat Thompson als Mensch und Sportler zu viel Respekt vor Klitschko. Dass sich die beiden gut mögen, hat sich in diesen Tagen gezeigt. Beim obligaten "stare down", dem gegenseitigen in die Augen schauen, konnte sich Thompson das Lachen im Stade de Suisse nicht verkneifen.
Mit dem Kampf Anfang Juli geht zum vierten Mal in der jüngeren Vergangenheit ein Box-Grossereignis in der Schweiz über die Bühne, nachdem vor den Klitschkos zweimal der Russe Nikolai Walujew (in Basel und Zürich) seinen Titel in der Schweiz verteidigt hatte. "Das ist ein Ereignis, das den Namen der Stadt Bern und denjenigen unseres Verbandes in die ganze Welt hinausträgt", ist Peter Stucki, der Vize-Präsident von Swiss Boxing, von der Strahlkraft des Events überzeugt. Für ihn ist der Kampf auch ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk, da der Schweizer Boxverband 2013 sein 100-jähriges Bestehen feiern wird.
Über die finanzielle Aspekte des Mega-Fights wurde zwischen den Partnern Stillschweigen vereinbart. "Wenn das Stadion ausgelastet ist, dann wird es für uns finanziell eine tolle Geschichte", sagte Armin Meier, der Geschäftsführer der Agentur "InfrontRingier", die zusammen mit der "Klitschko Management Group" den Kampf organisiert. Drei Wochen nach Beginn des Vorverkaufs sind 60 Prozent der 30'000 Tickets, die zwischen 70 und 1090 Franken kosten, abgesetzt. Christian Finkbeiner, Si

Wladimir Klitschko (l.) und Tony Thompson noch entspannt im Berner Fussballstadion
Stade de Suisse.