21.07.10 IOC

Dow Chemical zehnter TOP-Sponsor

Mittwoch, 21. Juli 2010
 
Das Internationale Olympische Komitee hat den amerikanischen Chemie- und Pharma-Giganten "Dow Chemical" als zehnten TOP-Sponsor auf seine Seite gebracht. Der Deal mit dem Konzern mit Sitz in Midland, Michigan soll dem IOC über 100 Millionen Dollar einbringen. Damit sind für die Periode der Olympischen Spiele in Vancouver 2010 und London 2012 aus dem TOP-Sponsorenprogramm Einnahmen in der Höhe von rund einer Milliarde Dollar garantiert.

In der Zeit von 1985 bis Ende 2012 wird das IOC von seinen Sponsoren durch dieses Programm rund 3,66 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) einnehmen. Mit den Zuwendungen von Dow Chemical erreicht das olympische Unternehmen allein in den vier Jahren bis zu den Sommerspielen in London erstmals die Grenze von einer Milliarde Dollar Einnahmen.

Am vergangenen Freitag gab Präsident Jacques Rogge die Aufnahme des Unternehmens als zehnten Grossförderer in das TOP-Sponsoren-Programm bekannt.

Der immaterielle Preis für das Geschäft mit Dow ist allerdings hoch: Das IOC, das sich als philantropische Bewegung sieht und immer wieder auf ethisch-moralische Werte beruft, hat sich mit einem Unternehmen eingelassen, das einst der amerikanischen Armee für den Vietnamkrieg den geächteten Kampfstoff Napalm und das Entlaubungsmittel Agent Orange geliefert hat.

Indirekt hat Dow Chemical auch mit dem Industrieunfall von Bhopal (Indien) zu tun. Am 3. Dezember 1984 entwichen 46'000 Tonnen Giftgase aus einem Werk des amerikanischen Unternehmens Union Carbide. Etwa 20'000 Menschen starben, bis zu 500'000 trugen zum Teil schwerste chronische Schädigungen davon. Dow Chemical kaufte Union Carbide 2001 und verweigert die von Opferverbänden geforderten, über einen Vergleich mit Union Carbide hinausgehenden Entschädigungen.

Das 1985 eingeführte sogenannte TOP-Programm gibt Weltunternehmen die Möglichkeit, global mit den Olympischen Ringen werben zu können. Geworben werden darf auch im Umfeld olympischer Wettkampfstätten, nicht aber in ihnen selbst. Die Hälfte der Gesamteinnahmen tritt das IOC an die veranstaltenden Organisationskomitees ab.

Das TOP-Programm ergänzt das Geschäft mit den Fernseh-Einnahmen. Während 10 Sponsoren in der laufenden Periode mit den Winterspielen in Vancouver und den Sommerspielen in London 2012 etwa eine Milliarde Dollar einbringen, kassiert das IOC in dieser Zeit für seine TV- Rechte 3,9 Milliarden Dollar. Von den Gesamteinnahmen behält das IOC knapp 10 Prozent für sich. Seine Rücklagen betragen gegenwärtig etwa 500 Millionen Dollar.

Die Entwicklung des TOP-Programms:
1985 - 1988 (Calgary/Seoul) 9 Sponsoren / 96 Millionen Dollar
1989 - 1992 (Albertville/Barcelona)12 Sponsoren / 172 Mio. Dollar
1993 - 1996 (Lillehammer/Atlanta) 10 Sponsoren / 279 Mio. Dollar
1997 - 2000 (Nagano/Sydney) 11 Sponsoren / 579 Mio. Dollar
2001 - 2004 (Salt Lake City/Athen) 11 Sponsoren / 663 Mio. Dollar
2005 - 2008 (Turin/Peking) 12 Sponsoren / 866 Mio. Dollar
2009 - 2012 (Vancouver/London) 10 Sponsoren / 1 Milliarde Dollar

Gegenwärtige Sponsoren:
Coca-Cola, Acer, Atos Origin, Dow Chemical, General Electric, McDonalds, Omega, Panasonic, Samsung, Visa
Bis 2016 verpflichtet: Atos Origin, Panasonic, Samsung.
Bis 2020 verpflichtet: Coca-Cola, Dow Chemical, Omega, Visa.

 

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